Für die Fuggersche Stiftungen war der 1. März 2026 ein bedeutender Tag. Mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst in St. Thekla Welden wurden die Schwestern der Unbeschuhten Karmelitinnen nach nahezu 95 Jahren klösterlichen Lebens verabschiedet. Damit endet eine Epoche, die eng mit der Geschichte, dem Eigentum und dem Stiftungsauftrag der Fuggerschen Stiftungen verbunden ist.
St. Thekla befindet sich seit 1914 im Eigentum der Stiftungen. Die Übernahme erfolgte aus der Verantwortung heraus, diesen außergewöhnlichen Sakralbau dauerhaft zu sichern und als geistlichen Ort zu erhalten. Die Entscheidung des Seniorats von 1929, die Kirche den Unbeschuhten Karmelitinnen zu überlassen, prägt das Profil von St. Thekla bis heute. Seit dem 26. Mai 1931 lebten und wirkten die Schwestern auf dem Theklaberg und machten die Kirche zugleich zu einer Klosterkirche.
Die Votivkirche wurde 1756 von Josef Maria Graf Fugger von Wellenburg gestiftet und nach Plänen von Hans Adam Dossenberger errichtet. Sie gilt als dessen Hauptwerk. Die Fresken stammen von Johann Baptist Enderle und Balthasar Riepp. Über die Jahrhunderte hinweg blieb die Kirche ein herausragendes Beispiel süddeutscher Rokokobaukunst. Auch schwierige Zeiten wurden überstanden: 1942 mussten zwei der drei Glocken für Kriegszwecke abgegeben werden. Nach der umfassenden Restaurierung von 1974 bis 1977 wurde St. Thekla erneut als bedeutendes Kulturgut gewürdigt.
Der Abschiedsgottesdienst wurde von Bischof Dr. Bertram Meier zelebriert und musikalisch gestaltet. Zahlreiche Gläubige, Vertreter der Gemeinde Welden sowie Mitglieder der Familie Fugger nahmen teil und setzten damit ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit dem Orden und diesem besonderen Ort.
Im Anschluss an die heilige Messe fand im Holzwinkelsaal ein Empfang statt. Dort richtete Dr. Daniel Hobohm, Administrator der Fuggerschen Stiftungen, das Wort an die Anwesenden. In seiner Rede würdigte er die fast 95-jährige Präsenz der Karmelitinnen als prägend für Kirche, Gemeinde und Stiftungen. Er stellte die Verbindung zwischen dem geistlichen Leben des Ordens und dem seit über 500 Jahren bestehenden gemeinnützigen Auftrag der Fuggerschen Stiftungen heraus. Glaube, Verantwortung und Gemeinwohl bildeten eine Einheit, die in St. Thekla in besonderer Weise sichtbar geworden sei.
Dr. Hobohm erinnerte an die Entscheidung von 1929 als wegweisenden Schritt in der Geschichte der Kirche. Die stille, kontemplative Berufung der Schwestern habe dem Ort eine spirituelle Tiefe verliehen, die weit über das Sichtbare hinausgewirkt habe. Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte er den Schwestern eine Erinnerung an die Fuggerei und betonte die bleibende Verbundenheit zwischen Orden und Stiftungen.
Mit dem Weggang der Karmelitinnen endet das klösterliche Leben am Theklaberg. Die Kirche St. Thekla bleibt jedoch im Eigentum und in der Verantwortung der Fuggerschen Stiftungen. Ziel ist es, diesen Ort weiterhin als Raum des Glaubens, der Kultur und der Begegnung zu erhalten und gemeinsam mit der katholischen Gemeinde vor Ort tragfähige Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Der 1. März 2026 war damit ein Tag des Abschieds und zugleich ein Ausdruck jahrzehntelanger Verbundenheit zwischen Orden, Gemeinde und Stiftungen.